Die Praktika in der Oberstufe

Mit dem Eintritt in die Oberstufe beginnt für die Schüler eine in vieler Hinsicht neue Zeit. Das Ende der Klassenlehrerzeit, die ständig wechselnden Epochenlehrer und vieles mehr. Ein wichtiger Bestandteil der Oberstufe sind die Praktika. Jedes Jahr lernen die Schüler neue Bereiche des Arbeitslebens kennen. Für 2–3 Wochen verlassen sie das wohlvertraute Schulleben und begeben sich in eine ihnen recht fremde Welt.

Die damit verknüpften Möglichkeiten, neue, bisher unbekannte Arten täglichen Lebens kennen zu lernen, fernab vom Schulalltag, waren Grundlage für die Entscheidung, den Oberstufenschülern pro Jahr ein Praktikum anzubieten.

Die 9. Klasse beginnt mit dem Landwirtschaftspraktikum. Zwei Wochen leben die Schüler auf einem biologisch-dynamischen Hof.

Im Feldmesspraktikum wird eine Gesamtkarte eines ca. 60 ha großen Gebietes erstellt, die sich aus den Einzelkarten der jeweiligen Schülergruppen zusammensetzt. Bei der Messtätigkeit kommt es auf Präzision und Genauigkeit an, die Güte der Karte korrigiert die Qualität der Arbeit. Alle Messaufgaben erfordern räumliches Vorstellungsvermögen und einen gewissen sicheren Umgang mit geometrischen Kenntnissen.

Der Schwerpunkt der Vorbereitungen liegt in der Woche vor der Fahrt. In dieser Woche werden die Schüler in Gruppen zu den jeweiligen Experten ausgebildet: Längenmesser, Theodolitexperte, Gemeinschaftsexperte u. a.

Im Praktikum selbst hat jeder Schüler die Aufgabe, ein individuelles Portfolio zu schreiben, in dem er u.a. darstellt:

  • Persönliches Expertentum und die erworbenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten
  • Erfahrung mit der Weitervermittlung an seine Mitschüler
  • Aufgetretene Schwierigkeiten beschreiben und die Problemlösung darstellen
  • Rückblick auf den Gesamtprozess: Was habe ich insgesamt gelernt?

Im zweiten Schulhalbjahr absolvieren die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse ein dreiwöchiges Betriebspraktikum. Bereits gegen Ende der 9. Klasse suchen sie sich selbständig einen Praktikumsplatz.
Bei diesem Praktikum geht es darum, innerbetriebliche Abläufe so gründlich wie möglich kennenzulernen. Dabei sollen wirtschaftliche und verwaltungstechnische Aspekte eines Unternehmens bei praktischen Tätigkeiten erfahren werden. Dieses Praktikum hat unsere Schülerinnen und Schüler in der Vergangenheit schon oft bei der Berufsfindung unterstützt.

Alle Tätigkeiten und Eindrücke werden in einem ausführlichen Praktikumsbericht mit Fotos und Dokumenten verarbeitet.

Im Rückblick betrachten viele Schüler das Sozialpraktikum in der 11. Klasse als sehr eindrucksvoll. Auch dieses Praktikum dauert drei Wochen. Die Schüler leben und arbeiten in einer sozialtherapeutischen Einrichtung, meistens recht weit von der Heimat entfernt und höchstens zu zweit. Diese oft gefürchtete Konfrontation mit alten, kranken oder behinderten Menschen hinterlässt tiefe Eindrücke.

Alle, die die spätere Präsentation dieses Praktikums in der Schule erleben, hören sicher oft bewegt, dass den Praktikanten gerade der Abschied von diesen Menschen sehr schwer fiel. Die Zeit von drei Wochen scheint plötzlich zu kurz und nicht wenige Schüler möchten „ihre” Einrichtung noch einmal besuchen.

Nach mehreren Jahren Erfahrung mit diesen Praktika darf man wohl feststellen, dass sie nicht Lernen verhindern oder verkürzen, sondern den Schülern einen reichen Schatz an Begegnungen vermitteln, der als Erfahrung auf dem weiteren Lebensweg verfügbar bleibt.