Jazz Connection servierte auf der Bühne heißen Big Band Sound.

In den Pausen gab es leckere Häppchen. Der Erlös des Abends fließt in das Projekt "Vom Leben lernen".

Das Essen sei so gut, dass dies eigentlich schon Grund genug sei, zur Waldorfschule zu kommen, sagte Ralf Bazzanella nach einer der beiden Pausen (und Spendenrunden) von Jazz und Snack zugunsten des Schüler-Sozialprojektes "Vom Leben lernen" am Samstag. Das mag sein, aber was auch immer es an leckeren Häppchen gab, die wahren Leckerbissen boten die Schüler auf der Bühne: Zweieinhalb Stunden Jazz Nettospielzeit für ein musikalisches Drei-Gänge-Menü mit fünf-Sterne-Momenten.

Die Waldorf Jazz Connection unter der Leitung von Ralf Bazzanella hat sich zu einer Talentschmiede in Dinslaken entwickelt: Maika Küster mag ein Ausnahmetalent sein, dass die Sängerinnen in der Big Band jede für sich eine Klasse für sich sind, bewiesen sie am Samstag ausnahmslos. Und die preisgekrönten Reference Lime, Schüler des aktuellen Abi-Jahrgangs, überzeugten nicht nur schon im regulären Abo-Programm der Jazz

Initiative, sie räumten auch beim NRW-Wettbewerb "Jugend musiziert"ab.

Voll war es in der Aula der Waldorfschule, es kamen weit mehr, als die Organisatoren erwartet haben. Es war allerdings auch eine Art letzte Gelegenheit. So bereichernd es für Lernende und Lehrende ist, Schülerensembles aufzubauen, so sicher sind auch das Ende auf dem Höhepunkt der Entwicklung und die Sisyphos-Arbeit, mit neuen Jahrgängen wieder ein vergleichbares Niveau zu erreichen. Die Waldorf Jazz Connection befindet sich derzeit in dieser Umbruchsituation. Das Dreier-Konzert am Samstag war das Abschiedsgeschenk des Referenz Lime-Jahrgangs. Dass sich die Neuen schon formieren, bewiesen sie mit "Watermelon Men", dass zunächst ohne die "alten Hasen" gespielt wurde.

Der fette Big Band Sound der Jazz Connection sorgte als erster Gang für die solide Basis eines genussvollen Abends ("ohne Hopfen- und Weintrauben-haltige Getränke"). Der Schlag Sahne darauf: "Skyfall". Opulent gesungen und gespielt, man versank im Sound wie die Bondgirls im Wasser im Intro des Films. Selbst Bazzanella als Dirigent ließ sich im Jubel zu einem "das ist wirklich fantastisch" hinreißen.

Mit Tribute to Bill (Lawrence) folgte der leichtere, aber äußerst raffinierte zweite Gang: Elisa Moser (Violine), Naima Dreizehnter (Cello) Helene Kastner (Flöte), Ben Musija (Gitarre) Luca Miketta (Bass), Julian Bazzanella (Drums) und die virtuose Kadra Dreizehnter am Piano spielten Orchesterjazz in Crossover-Besetzung.

Aufhören, wenn es am schönsten ist. Reference Lime spielten ihr wohl letztes Konzert. Es war das beste und glücklicherweise wurde es aufgezeichnet. Souverän, entspannt, perfekt aufeinander eingespielt. Präzise bei den komplexen Rhythmen und Tempowechsel, perfekt in der Intonation. Zehn Abiturienten, deren Sound man das jugendliche Alter nur in der Weise glauben kann, dass jede stilistische Anleihe frisch und unverbraucht klingt, als hätten sie sie gerade erst erfunden. Ein langer Abend, bei dem keine einzige Note zu viel war.

(bes)